KÜNSTLER

Krippenkünstler aus der Region

100 Jahre Willi Witte: Diözesanmuseum Osnabrück würdigt den vielseitigen Künstler

Willi Witte – Bildhauer, Kunstpädagoge und Krippenfreund“

Sonderausstellung zu Ehren des bekannten Künstlers im Diözesanmuseum Osnabrück eröffnet

OSNABRÜCK. In diesem Jahr wäre der Osnabrücker Bildhauer Willi Witte (1926–1992) 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass widmen das Diözesanmuseum Osnabrück und der Verein der Krippenfreunde Osnabrücker Land und Emsland e. V. dem vielseitigen Künstler eine Sonderausstellung. Unter dem Titel „Willi Witte – Bildhauer, Kunstpädagoge und Krippenfreund“ präsentiert die Schau einen repräsentativen Querschnitt durch sein umfangreiches künstlerisches Schaffen. Jetzt wurde die Ausstellung im Beisein von rund 70 geladenen Gästen offiziell eröffnet. Sie macht einen Künstler wieder sichtbar, dessen Arbeiten bis heute an zahlreichen Orten in Osnabrück und darüber hinaus zu entdecken sind.

Seine erste Ausbildung in der Bildhauerei erhielt Willi Witte beim Osnabrücker Künstler Ludwig Nolde, der später auch sein Schwiegervater wurde. Anschließend studierte er an den Kölner Werkschulen bei Professor Joseph Jaekel und an der Werkkunstschule Münster bei Professor Karl Schrage.

Witte hatte bei Ludwig Nolde zunächst noch die traditionellen künstlerischen Auffassungen der 1920er und 1930er Jahre kennengelernt. Da er seine Ausbildung kriegsbedingt erst nach dem Zweiten Weltkrieg abschließen konnte, führten ihn seine anschließenden Studien in Köln und Münster in eine deutlich modernere Kunstwelt. Auf dieser Grundlage entwickelte er zunehmend seinen eigenen künstlerischen Weg und eine eigenständige Formensprache, die sich durch eine moderne, bisweilen auch provokative Gestaltung auszeichnet.

Ab 1956 wirkte Willi Witte als freier Künstler in seinem Atelier in Osnabrück-Haste. Viele Osnabrückerinnen und Osnabrücker erinnern sich an Witte darüber hinaus als engagierten Kunsterzieher, unter anderem am Gymnasium Carolinum. Auch in der Erwachsenenbildung war er tätig und verstand es, Menschen auf unkonventionelle Weise zur eigenen Kreativität zu ermutigen und ihnen Wege zur persönlichen künstlerischen Entfaltung zu eröffnen.

Das Œuvre Willi Wittes ist bemerkenswert vielseitig. Es umfasst gleichermaßen religiöse wie profane Themen. Sein Spektrum reicht von sakraler Kunst für Kirchen und Privathäuser über Plastiken in öffentlichen Einrichtungen sowie Grab- und Mahnmalen bis hin zu Porträts und Tierdarstellungen.

Besonders beeindruckend ist die Bandbreite der von Witte beherrschten und teilweise miteinander kombinierten handwerklichen Techniken. Neben Arbeiten in Stein und Holz schuf er plastische Werke aus Ton, Gips und Beton. Einen besonderen Schwerpunkt seines Schaffens bilden jedoch Metallarbeiten. Dazu gehören Bronzegüsse, Aluminium- und Zinngüsse sowie sogenannte Treibarbeiten in Messing, Kupfer, Silber, Aluminium und Stahl.

Ein charakteristisches Merkmal von Wittes Kunst ist das Spiel mit den Gegensätzen Stillstand und Bewegung sowie Abstraktion und Ornament. Blockhaft-statisch abstrahierte Körper verbindet der Künstler mit dynamisierenden Umrisslinien. Auf diese Weise entstehen spannungsreiche Kompositionen, die den Blick immer wieder über die Werke wandern lassen.

Auch mit Positiv- und Negativformen arbeitet Witte auf überraschende Weise. Gerade in seinen Reliefs erzeugen Aussparungen und Erhebungen ein wechselndes Spiel von Licht und Schatten. Je nach Lichteinfall können die Arbeiten dadurch dramatisch wirken oder eine spannungsvolle, ästhetisch-dekorative Wirkung entfalten.

Die sakralen Werke des Osnabrücker Künstlers finden sich in zahlreichen Kirchen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Neben Skulpturen gehören dazu unter anderem Portale, Kreuzwegstationen und liturgische Goldschmiedearbeiten.

Auch im Osnabrücker Stadtbild begegnen Passanten immer wieder Arbeiten Wittes. Besonders markant sind etwa seine Arbeiten am Portal der Kathedralkirche St. Petrus sowie an der Eingangstür der Tanzschule Hull am Vitihof.

Die Ausstellung im Diözesanmuseum bietet nun die Gelegenheit, das vielseitige Werk Willi Wittes in größerem Zusammenhang neu zu entdecken und einen Künstler kennenzulernen, der sich zwischen traditioneller Bildhauerei und moderner Formensprache, zwischen sakraler Kunst und profanen Themen sowie zwischen handwerklicher Präzision und kreativer Experimentierfreude bewegte.

Die Ausstellung „Willi Witte – Bildhauer, Kunstpädagoge und Krippenfreund“ ist noch bis zum 8. November 2026 jeweils dienstags bis sonntags in der Zeit von 10 bis 17 Uhr im Diözesanmuseum Osnabrück zu sehen.

Während der Ausstellungseröffnung im Diözesanmuseum Osnabrück:

Dominikus Witte (Sohn des Künstlers Willi Witte und Vorstandsmitglied des Krippenvereins), Prof. Dr. Gerhard Lohmeier (Ehrenvorsitzender des Krippenvereins), Bernd Philippskötter (Vorsitzender des Krippenvereins) und Jürgen Krämer (Vorstandsmitglied des Krippenvereins).

Foto: Hermann Pentermann

Archiv:

© Wilhelm Lücking – Krippenbaumeister/Bistum Osnabrück (Fotos)

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